Dieser Beitrag wurde verfasst, um einerseits über die Feuer-Eintrittswahrscheinlichkeit, andererseits die Brandschadengröße für Serverräume und Rechenzentren im Allgemeinen zu informieren und letztendlich für den Brandschutz zu sensibilisieren. Auf Grund des Themenumfangs besteht diese Beitragsserie aus drei Artikeln. Ein weiterer Folgeartikel befasst sich mit den besonderen Anforderungen an Colocation-Rechenzentren.

Warum ist Schutz notwendig?

IT-Systeme sind heute im Unternehmen Herz und Hirn zugleich, d. h. bei einem Ausfall steht das Unternehmen still. Dabei ist es weitgehend ohne Bedeutung, ob es sich um produzierende Unternehmen, Logistikunternehmen oder Dienstleister handelt. Fazit: Die IT muss funktionieren (man möchte fast ergänzen: koste es, was es wolle). Nun muss man sich individuell Gedanken machen, was an welchem Standort zur realen Gefahr werden kann, denn ein Schutzkonzept ist individuell auf die örtlichen, betrieblichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten abgestellt. Wer zügig auf ein anderes RZ ausweichen kann, wird andere Maßnahmen treffen als jemand, der auf eine einzige Anlage angewiesen ist. Man stelle sich ein Unternehmen vor, bei dem 1.000 Personen ständig die Verfügbarkeit der Arbeitsplätze benötigen und dass es hier zu einer Unterbrechung von einer Dauer von 30 min., 1 Tag oder 1 Woche kommt (damit ist das Ende jedoch noch nicht erreicht, mehrwöchige Unterbrechungen sind ja nicht jenseits der Realität!). Gleichzeitig setzt man 80,- € je Stunde direkte und indirekte Kosten je firmenzugehöriger Person an. Somit entstehen Kosten von 40.000,- €, 640.000,- € oder gar 3,2 Mio. €. Die Arbeit muss nachgeholt werden, die laufende Arbeit kommt hinzu. Kunden sind verärgert, einige wandern ab. Betriebsunterbrechungs-Versicherer gehen davon aus, dass sich ca. 30 % der Kunden nach Betriebsunterbrechungen wegen des ihnen bereiteten Ärgers andere Lieferanten suchen und dann eben dort bleiben. Weder die Unterbrechung, noch den Ärger mit den Kunden will man – und die Kosten für brandverhütende Sicherheitstechnik relativieren sich angesichts der immensen Folgekosten.

Gefahren

Nun gibt es verschiedene Gefahren, z. B. Sabotage von innen oder außen, Schäden durch fahrlässiges Verhalten, Wassereinbruch oder eben ein Feuer. Ein Feuer kann durch die Hitze, aber auch die korrosiven Brandrauchgase schnell zu einem Totalverlust führen,und da ein Feuer immer im Bereich des latent Realen liegt, muss man sich dagegen auch besonders absichern.

Trends

Alle paar Jahre und somit alle paar IT-Generationen gibt es neue Trends. Manchmal geht eine Entwicklung auch wieder zurück in die andere Richtung. Hier ein paar Beispiele aus den letzten Jahrzehnten:

  • Zentralisierung und Dezentralisierung
  • Klimaluft vertikal über den Doppelboden in das Rack zuführen und über die Decke abführen oder horizontal durch die Racks über sog. Kalt- und Warmgänge ggf. auch mit Einhausung abführen
  • USV-Anlagen zentral im separaten Raum oder dezentral im IT-Rack
  • Wasserkühlung oder Luftkühlung im Rack
  • Strom- und Datenleitungen über den Doppelboden oder über die abgehängte Decke oder in offen sichtbaren Kanälen
  • Platzierung der Server-Räume oberirdisch (wenig sabotagesicher, aber guter Schutz gegen eindringendes Wasser) oder im Untergeschoss (relativ sabotagesicher, aber weniger guter Schutz gegen eindringendes Wasser)
  • Datenspeicherung in der Cloud oder on Premises

Gesetzliche Anforderungen

Der Gesetzgeber indes fordert für normale Rechenzentren keinen besonderen Schutz in Richtung „Brandschutz“, aber eben der Betreiber, ggf. das Leasingunternehmen und manchmal auch der Feuerversicherer, der BU-Versicherer oder der Elektronikversicherer (vgl. VdS 2007). Bei besonderen Rechenzentren (z.B. bei KRITIS-Organisationen) gibt es zusätzliche gesetzliche Anforderungen wie z.B. die Einbeziehung des Rechenzentrums in ein ISMS Informationssicherheits-Managementsystem.

Der vorbeugende Brandschutz kennt die Bereiche „Baulicher Brandschutz“ und dann die beiden als gleichwertig und somit gleich wichtig einzustufenden Bereiche „Anlagentechnischer Brandschutz“ sowie das komplexe Thema des „Organisatorischen Brandschutzes“. Demzufolge sind die folgenden Abschnitte dieses Beitragsreihe auch in diese drei Hauptkapitel unterteilt. Wichtig ist noch zu wissen, dass keiner der drei Teilbereiche den anderen ersetzen kann – sie können sich lediglich sinnvoll ergänzen. Dieser Beitrag befasst sich mit dem Baulichen Brandschutz, die beiden weiteren Bereiche finden Sie in Kürze in Artikel zwei und drei.

 

Baulicher Brandschutz im Rechenzentrum

Wahl des Standortes

Für die Sicherheit ist es ideal, wenn die IT in eigens dafür geplanten Räumlichkeiten untergebracht ist und nicht in alte Produktions- oder Bürogebäude „hinein gezwungen“ wird. Doch man muss sich häufig mit den gegebenen Rahmenbedingungen abfinden und ggf. eben das Beste aus der jeweiligen Situation herausholen. Aber man muss sich auch im Klaren sein, dass man sich bei zu minderwertigen und zu unsicheren Gebäuden sicher keinen Gefallen tut. Teure, erstklassige Technik nutzt nichts, wenn diese nicht zum Tragen kommen kann, weil Hochwasser, ein Brand von unterhalb oder ein vorbeiführendes Eisenbahngleis zur Schwächung des Schutzsystems führen.

Zukunftsfähigkeit

Da die Technik voranschreitet ist es heute nicht absehbar, wie die übernächste Generation und überhaupt die Zukunft aussieht – deshalb ist es sinnvoll, wenn man keine starr-unveränderlichen, sondern weitgehend flexible Gebäude plant. „Flexibel“ bedeutet u. a., dass Wände versetzt werden können und Anbauten oder Aufstockungen möglich sind, und dass man ohne großen Aufwand die Möglichkeit hat, Leitungen neu- und umzulegen.

Wandaufbau

Wände sollten außer- und innerhalb des RZs immer feuerbeständig, rauchdicht und nichtbrennbar sein. Ob man das in Trockenbauweise oder konventionell mit Kalksandstein, Ziegel oder Stahlbeton realisiert, ist abhängig vom Schutzkonzept.

Ist der Einbruch- und Sabotageschutz oder die Druckfestigkeit im Lösch-Fall für die betreffende Wand kein Thema, so bieten Trockenbauwände im Rechenzentrum den Vorteil, dass sie ohne Erschütterung und schnell zu erstellen und auch wieder zu entfernen sind. Sie können feuerbeständig und rauchdicht z.B. aus Gipskarton (GK) oder Kalziumsilikat hergestellt werden. Auch modulare fabrikgefertigte Wandsysteme werden für die Anwendung im Rechenzentrum angeboten.

Zu berücksichtigen ist, dass es in unregelmäßigen Zeitabständen Veränderungen in der Technik gibt und man somit manche Bereiche vergrößern oder ergänzen muss. Dabei wären noch freie Anbauflächen, momentan noch anderswie genutzte Räume oder flexibel umzugestaltende Trennwände sinnvoll. Die Türen sollten als Brandschutztüren mit Rauchschutzfunktion ausgeführt werden, auch wenn ggf. das Baurecht dies nicht überall fordert. Ein parzellierter / baulich abgetrennter Raum bietet gegenüber einem großen Raum Vorteile, denn ein Feuer sollte auf den Raum der Entstehung begrenzt und somit klein und beherrschbar bleiben.

 

Werkstoffe, Baustoffklassen

Baustoffe

Alle im Rechenzentrum und dessen Umfeld eingesetzten Baustoffe sind nach Möglichkeit nichtbrennbar auszuwählen. Man unterscheidet hinsichtlich der Werkstoffe nach Brandschutzklassen, in Deutschland gemäß DIN 4102 getrennt nach nichtbrennbaren (A) und brennbaren (B) Werkstoffen. Mit Ziffern wird zusätzlich eine weitere Unterteilung vorgenommen:

  • A1 nicht brennbar
  • A2 nicht brennbar, jedoch leichte Rauchentwicklung
  • B1 schwer entflammbar
  • B2 normal entflammbar
  • B3 leicht entflammbar

International werden in der DIN EN 13501 die Baustoffklassen A bis F wie folgt beschrieben:

  • A – Nicht brennbar, kein Beitrag zum Brand
  • B – Schwer entflammbar, sehr begrenzter Beitrag zum Brand
  • C – Schwer entflammbar, begrenzter Beitrag zum Brand
  • D – Normal entflammbar, hinnehmbarer Beitrag zum Brand
  • E – Normal entflammbar, hinnehmbares Brandverhalten
  • F – Leicht entflammbar, keine Leistung festgestellt

Hinzu kommen gemäß DIN EN 13501 weitere Unterscheidungen:

für die Rauchentwicklung s

  • s1: geringe Rauchentwicklung
  • s2: mittlere Rauchentwicklung
  • s3: hohe Rauchentwicklung

für brennendes Abtropfen d

  • d0: kein brennendes Abtopfen/Abfallen innerhalb von 600 Sekunden
  • d1: kein brennendes Abtopfen/Abfallen mit einer Nachbrennzeit länger als 10 Sekunden innerhalb von 600 Sekunden
  • d2: keine Leistung festgestellt

und für die Brandverhaltensklasse für Bodenbeläge die Kennzeichnung fl

Im Normalfall ist es ohne Bedeutung, ob der Werkstoff nach DIN 4102 in die Baustoffklasse A1 oder A2 eingestuft worden ist – beide sind hochwertig, sicher und damit gut. Bodenbeläge, Türen, Kabelkanäle und andere untergeordnete Teile wie z. B. Handläufe dürfen nach Baurecht brennbar sein, ohne dass dadurch das Schutzkonzept geschwächt wird. Aus Sicht des Brandschutzes für ein Rechenzentrum ist es natürlich ideal, wenn auch diese Baumaterialien nicht brennbar oder zumindest schwer entflammbar sind.

PVC

Es ist allerdings für den Rechenzentrums-Betreiber wichtig und daher sollte immer darauf geachtet werden, dass alle Kunststoffe PVC-frei sind, sodass im Brandfall die Freisetzung korrosiver Brandgase begrenzt wird.

Isolierung

Die Wände, insbesondere die Dämmung der Außenwände (Achtung: hohe Priorität!) sind unbedingt als nichtbrennbarer Baustoff auszuwählen. Somit hat man den günstigen Zustand, dass lediglich der Inhalt, nicht aber die Gebäude brennen können – und das hat zur Folge, dass das Wiederherstellen deutlich schneller geht, weil man meist „nur“ Teile der Einrichtungen neu besorgen und installieren muss und nicht ganze Gebäude. Somit sind ggf. nicht nur Wochen, sondern gar viele Monate Zeit des Stillstands nach einer Havarie gespart. Dies ist vor allem vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass die Kosten einer Unterbrechung bei linearem Zeitverlauf exponentiell stark steigen und das betroffene Unternehmen somit immer schneller an den Rand des Ruins gerät.

In einen Folgeartikel werden wir die Vor- und Nachteile verschiedener Baustoffe näher beleuchten.

 

Brandabschnitte

Man muss sich im Klaren sein, dass die IT lediglich dann funktioniert, wenn alle Komponenten funktionieren. Soll heißen: Fallen die Datenleitungen aus, die Stromversorgung oder die Kühltechnik, dann steht das RZ und zwar genau so, als wenn der Rechner einen technischen Defekt hat.

Hier kommt es nun bei der Bildung von Brandabschnitten darauf an, wie groß ein RZ ist und ob es z.B. so etwas wie Netzersatzanlage (NEA) und unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) gibt. Die nachfolgenden Bereiche sollte es geben und diese sind mindestens untereinander brandschutztechnisch zu trennen; wenn die Bereiche sehr groß sind, so macht auch eine brandschutztechnische Unterteilung innerhalb gleichartig genutzter Bereiche Sinn, um die Aufrechterhaltung des Betriebs (oder Teilbetriebs) zu ermöglichen und um Schadenkosten und Betriebs-Unterbrechungs-Zeiten zu minimieren:

Unbediente Rechnerräume

Hier handelt es sich um das Herz des Rechenzentrums; diese Bereiche sind besonders zu schützen und zwar auch vor Sabotage, Wassereinbruch – und natürlich Feuer. Ein kleines Unternehmen wird wohl über einen Rechnerraum mit Server- und Storage-Einheiten verfügen; größere Unternehmen tun sich einen Gefallen, wenn es mindestens zwei derartige Räume gibt, die ggf. durch einen Flur oder die Platzierung in unterschiedlichen Ebenen getrennt sind und nicht über eine direkte Verbindung (Tür, Kabelschotts) verbunden sind. Den idealen Schutz erreichen wir hier mit einer Geo-Redundanz – der Trennung der Bereiche und Verteilung über mehrere Kilometer Entfernung. Ziel muss sein, dass der Schaden bzw. die Zugangsbeschränkung in einem der Räume sich nicht zeitgleich auf den anderen Raum ausbreiten kann. Diese Bereiche verfügen selten über Fenster, was auch sinnvoll ist. Einschlägige Normen und Richtlinien wie z.B. der BSI-Grundschutz fordert ausdrücklich fensterlose Bereiche. Sollten sich bei einem Brandausbruch oder einer Stromunterbrechung Wartungstechniker in den Räumen aufhalten, dann benötigt man eine Notbeleuchtung, mindestens jedoch notstrombeleuchtete Fluchtwegschilder, die zum Ausgang führen. Da es sich um Nutzungseinheiten ohne Aufenthaltsmöglichkeit handelt, ist es baurechtlich korrekt, wenn es lediglich einen Fluchtweg gibt – natürlich ist die Personengefahr geringer, wenn man einen zweiten, räumlich möglichst entgegengesetzt liegenden Ausgang zur Verfügung hat und somit im Brandfall eine Alternative.

Bediente Rechnerräume

Hier sitzen Programmierer, Informatiker und Techniker und somit gelten hier die baurechtlichen Vorgaben für Aufenthaltsräume und die der arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen. Man benötigt also einen zweiten Fluchtweg. Das können für die Feuerwehr anleiterbare Fenster sein, oder eine außenliegende Treppe – die bei wenigen Personen auch gewendelt sein darf. Die Notbeleuchtung und Fluchtwegschilder sollten in LED-Technik eingesetzt werden, denn diese verbrauchen ca. 85 % weniger Strom.

Klimatechnik

Die Klimatechnik ist lebenswichtig für die IT. Von großer Wichtigkeit ist, dass die Luftkanäle mit Rauchmeldern versehen sind, die ggf. automatisch Schaltungen vornehmen, als auch dass alle Leitungsdurchbrüche feuerbeständig und rauchdicht abgetrennt sind.

Stromzuleitung

Die Stromleitungen sind in eigenen Trassen zu verlegen, in denen man keine Datenleitungen verlegt. Wichtig ist zu beachten, dass alle Strom- und Datenleitungen aufgrund ihrer Isolierung eine Brandlast darstellen. Insbesondere auf Fluchtwegen müssen daher die flüchtenden Personen vor der Brandlast geschützt werden. Müssen über die Zuleitungen große elektrische Leistungen übertragen werden, so ist es sinnvoll hierfür Schienensysteme

Netzersatzanlage (NEA)

Zunächst muss man überlegen, ob man eine NEA überhaupt benötigt. Wenn man zur Antwort „ja“ kommt, dann muss einem eines klar sein: Diese Anlage wird dann benötigt, wenn der öffentliche Strom ausfällt oder aber wenn z.B. ein Brand auf dem Gelände Teile der Leitungen unterbricht. Es macht also wenig Sinn, sich eine NEA anzuschaffen, wenn diese aufgrund eines Brands nicht die erzeugte elektrische Energie zu den Rechnern und zur Kühlung bringen kann. Eine bewusste räumliche Trennung der Anlage und der Stromleitungen zum öffentlichen Netz ist demzufolge von größter Bedeutung – sonst hat man nämlich keine echte Redundanz, sondern eine unechte und die kostet lediglich Geld, ohne aber die Sicherheit zu erhöhen. Die NEA braucht nicht nur genügend Kapazität für alle jetzt benötigten IT-Anlagen (ggf. auch für Arbeitsplätze anderswo), sondern auch für die Raumbeleuchtung und – ganz wichtig! – die Kältetechnik. Es sollte hier ebenso wie bei den Rechner- und Speichereinheiten eine bestimmte Überdimensionierung geben, um im Notfall noch im grüngelben Bereich zu liegen.

ein Diesellager

Wer Überlandleitungen zur Stromversorgung über viele km zu seinem Dorf bekommt,wird bei entsprechenden Problemen länger stromlos sein als Unternehmen in größeren Städten und dicht besiedelten Gegenden. Also muss man sich überlegen, über welchen Zeitraum denn die NEA laufen soll bzw. muss. Wenn man weiß, wie viel l/h man benötigt, kann man schnell das benötigte Tanklager dimensionieren. Auch hier gilt, dass eine nachträgliche Veränderung deutlich mehr kostet, als wenn man in der Planung gleich etwas mehr zugibt. Dieseltanks sind – auch wenn das Medium brennbar ist – erst einmal weniger brandgefährlich (so sie in eigenen Brandabschnitten stehen, wo es keine Zündquellen gibt), aber Diesel ist immer eine ernsthafte Umweltbedrohung. Entsprechend sollen oder müssen die Räumlichkeiten einen säurefesten Boden haben, dessen Wannenkapazität ausreichend berechnet ist. Wenn man jetzt noch die Behälter doppelwandig ausführt, hat man für wenig Aufwand die Gefahr eines Umweltschadens weiter minimiert.

USV-Anlage

Es gibt Peaks, Überlagerungen und Spannungsschwankungen im öffentlichen Stromnetz, von dem der „normale“ Endverbraucher aufgrund der geringen Sensibilität der elektrischen und elektronischen Geräte nichts mitbekommt. In Rechenzentren und großen IT-Anlagen würden solche kurzfristigen Unterbrechungen oder Spannungsschwankungen ggf. zu Ausfällen und im Extremfall sogar zu Hardwareschäden führen und das gilt es zu vermeiden. Häufig werden bei kleineren Anwendungen die hochleistungsfähigen USV-Anlagen in die 19-Zoll-Racks eingebaut. Das hat zum einen den Vorteil, dass man keine eigenen USV-Räume benötigt. Die zugeschweißten Batterien gelten auch als „sicher“, aber es hat eben auch den Nachteil, dass sich ein Defekt an diesen Einheiten unmittelbar schädigend auf die IT-Anlagen auswirken würde. Ggf. entstehen korrosive Dämpfe und diese führen mittelfristig zu Systemausfällen und die gilt es ja zu vermeiden.

Sozialbereiche

Das ist nun ein ganz wichtiges Thema, denn zum einen braucht die Belegschaft Toiletten und Pausenräume (ggf. auch Raucherräume). Zum anderen will man aus Sicherheitsgründen nicht, dass man zu häufig in die IT-Räume eintritt und sie wieder verlässt. Sowohl Wasserzuleitungen als auch die Ableitungen stellen – ebenso wie Heizungsleitungen der Warmwasserheizung – eine weitere Gefahr dar. Man muss also auch hier für Sicherheit sorgen, sei es mit Sensoren für austretende Flüssigkeiten, oder auch durch die baulich-räumlich intelligente Leitungsführung.

Fluchtmöglichkeiten

Die Aufenthaltsbereiche wie Pausenräume und bediente IT-Räume benötigen zwei voneinander unabhängige Fluchtmöglichkeiten. Die Fluchtwege dürfen nicht länger als 35 m sein. Spätestens nach dieser Entfernung muss man entweder im Treppenraum sein, oder in einem anderen Brandabschnitt, oder – ideal – bereits im Freien. Der erste Fluchtweg ist eigentlich immer der Weg, den man beim Betreten geht. Der zweite Fluchtweg kann bei Nutzungseinheiten mit bis zu ca. 10 -15 Personen aus anleiterbaren Fenstern bestehen, oder aber – sicherheitstechnisch besser – er besteht ebenfalls aus Wegen über Flure und Treppen bzw. Ausgänge, die man jetzt selbständig und ohne Hilfe Dritter wie der Feuerwehr gehen kann. Bei der Begutachtung der Fluchtmöglichkeiten ist immer von einem (numerisch: 1) Feuer auszugehen, nicht von zwei Feuern an zwei unterschiedlichen Stellen: Funktioniert Fluchtweg 1 in Richtung A nicht mehr, so kann man noch in Richtung B den Fluchtweg 2 begehen. Dabei müssen beide Fluchtwege ohne fremde Hilfsmittel wie Schlüssel begehbar sein und bei beiden darf es eine Alarmüberwachung geben. Soll heißen: Im Normalfall benötigt man eine Karte oder einen Code, um auszutreten. Doch im Brandfall schiebt man die Tür auf (z. B. indem man zuvor einen Knopf drückt oder eine Barriere nach unten oder zur Seite schiebt) und es kann hier und/oder in einer Sicherheitszentrale einen Alarm geben.

 

Brandlasten

Die Brandlasten in der IT muss man in vermeidbare Brandlasten und unvermeidbare Brandlasten unterteilen. Da die vermeidbaren – wie es der Name ja schon sagt – vermeidbar sind, sind diese zu vermeiden. Das geht durch Wegräumen, oder aber auch durch das Trennen der Brandlasten von potenziellen Zündquellen, oder aber auch durch das Lagern in eigenen Räumlichkeiten oder Schränken. Vermeidbare Brandlasten sind Gebäudewärmedämmungen immer dann, wenn ein Gebäude errichtet oder nachträglich gedämmt wird – dann ist die Dämmung aus nichtbrennbaren Baustoffen zu wählen; ist das Gebäude jedoch bereits mit brennbaren Dämmplatten gedämmt, dann muss man damit zurechtkommen. Man kann aber die Brandausbreitungsgefahr dadurch minimieren, dass man a) die Putzdicke von 5 mm auf 1,5 mm erhöht (das bedeutet, dass mit größter Wahrscheinlichkeit die aus einem Fenster schlagende Feuerhitze die Isolation nicht zum Brennen bringt). Oder b), man verlagert brandgefährliche Aktivitäten oder viele Brandlasten unterhalb des Rechenzentrums auf andere Gebäude. Die dritte und letzte Schadenminderungslösung c) sieht vor, dass man oberhalb der Fenster unter der EDV horizontale Sperr-Riegel von nichtbrennbaren Materialien anbringt.

Doch nun zu den nicht vermeidbaren Brandlasten: Diese sind z. B. Strom- und Datenleitungen, die nun mal nötig sind. Man kann diese überwachen und auch mit einer Löschanlage versehen (Folgt in Artikel drei). Die Wartung der mobilen und immobilen elektrischen und elektronischen Gerätschaften und Anlagen nach DGUV Vorschrift 2 und zugleich auch VdS 3602 leistet ihren Beitrag dazu, dass ein Brand hier eher unwahrscheinlich wird.

 

Brandschutzabschlüsse: Türen, Fenster, Brandschutzklappen

Grundsätzlich sollten alle Türen innerhalb eines RZ feuerhemmend, selbstschließend und RS (RS steht für Rauchschutz, d. h. diese Türen sind im geschlossenen Zustand auf allen vier Seiten rauchdicht). Zu jedem Raum sollte es eine feuerhemmende T 30-RS-Tür geben, auch zu den Sozialbereichen. Zu Toiletten reichen vollwandige, massive Rauchschutztüren, die keine Lüftungsschlitze enthalten. Wenn es eine Tür zwischen zwei Nutzungseinheiten mit Brandlasten gibt, so kann man diese (je nach Quantität der Brandlasten) durchaus auch feuerbeständig und rauchdicht ausbilden; wenn hingegen diese Türen in einen sog. notwendigen Flur führen (der ja brandlastfrei ist), dann sind feuerhemmende RS-Türen mit Sicherheit als voll ausreichend einzustufen.

Die Fenster sollten, so man die Gefahr einer Sabotage von außen sieht, durchwurfhemmende Anforderungen haben oder bei der Gefahr eines militant vorbereiteten Einbruchs auch durchbruchhemmende Verglasungen. Brandschutztechnische Anforderungen müssen solche Verglasungen in der Regel nicht erfüllen. Wenn man sich aber vor einem Feuer von unterhalb schützen will oder muss, dann kann es schon sinnvoll sein, F 30-Verglasungen zu installieren. Die preiswerteren G 30-Verglasungen halten ggf. die Wärmestrahlung der Flammen nicht ausreichend lang zurück. Deshalb sollten diese nur in begründeten Ausnahmesituationen installiert werden. Die Fenster eines IT-Raumes sind grundsätzlich nicht zu öffnen (Ausnahme: anleiterbare Fluchtfenster). Dies nicht nur wegen der Sabotagesicherheit, sondern auch, um die korrekte Klimatisierung nicht zu stören.

Lüftungsanlagen benötigen Brandschutzklappen, wenn sie durch Wände oder Böden geführt werden, an die es brandschutztechnische Anforderungen gibt. Da bei geschlossenen Lüftungsklappen die Kühlung der IT ausfällt, muss die Anlage dann auch automatisch heruntergefahren werden, um eine Brandgefahr der Gerätschaften durch Überhitzung auszuschließen. Die Wartung der Lüftungskanal-Klappen ist von herausragender Bedeutung für das brandschutztechnische Sicherheitskonzept. Eine gute Wartung setzt voraus, dass die Klappen so platziert und eingebaut sind, dass sie auch erreichbar sind.

 

Brandabschottungen

Eine der primären Schwachstellen im baulichen Brandschutzkonzept sind häufig die Kabeldurchbrüche für Strom- und Datenleitungen oder die für das Kühlmedium. Dies liegt zum einen daran, dass diese Durchbrüche oft im Doppelboden liegen und somit fällt es nicht gleich auf, wenn man dort Pfusch liefert. Zum anderen liegt es daran, dass relativ häufig Leitungen nachgezogen werden müssen und die Personen, die diese Arbeiten durchführen die dafür nötige Sensibilität oder Qualifizierung nicht besitzen. Sie zerstören bestehende Schotts, ohne dies zu melden oder ohne sie anschließend wieder korrekt und sicher zu verschließen. Es gibt verschiedene Systeme, wie man Kabelschotts abdichtet, und zwar rauchdicht und feuerbeständig. Bei der Auswahl der Systeme sind die zu bevorzugen, die man nachträglich relativ leicht, schnell und kostengünstig wieder korrekt abgedichtet bekommt. Besonders aufquellende Boxen mit eingefügten Pfropfen sind pauschal besonders zu empfehlen, oder auch Pasten, die man aus Tuben (vergleichbar dem Setzen eines Fensterrahmens) spritzen kann. Wichtig ist, dass das Schott immer auf mindestens einer Seite ausgeschildert ist und man entnehmen kann, welches Material von welcher Person zuletzt angebracht worden ist.

Es empfiehlt sich, primär das Material einer Firma bzw. eines Herstellers zu verwenden. Hat man eigenes Personal, das diese Materialien dann auch einbringen darf, dann können Fremdhandwerker sich auf diese Personen berufen, um möglichst direkt nach Abschluss der Arbeiten den korrekten Zustand wiederherzustellen. Wenn sich nämlich ein Brand über eine feuerbeständige Decke oder Wand ausbreitet, so könnte der Feuerversicherer für diese Schadenvergrößerung oder auch für die länger andauernde Betriebsunterbrechung leistungsfrei sein.

 

Vorschau

In Artikel zwei und drei erhalten Sie in kürze weitere Details zu den Technischen und Organisatorischen Bereichen des Brandschutzes im Rechenzentrum. Beim technischen Brandschutz befassen wir uns u.a. mit Detektionsmöglichkeiten, Feuerwehr- Ausschaltung, Automatischen Löschsystemen bis hin zum Verhalten nach einem Brand.

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