Die F-Gas-Verordnung (EU) Nr. 517/2014 und die Auswirkungen für Datacenter-Betreiber – eine Bestandsaufnahme 2018

Wir wollen einmal schauen, welche Auswirkungen diese Verordnung für Datacenter-Betreiber hat. In einem späteren Folgeartikel werden wir die Möglichkeiten & Alternativen aufzeigen, die der Datacenter-Branche heute bereits zur Verfügung stehen.

 

Ziel der F-Gas-Verordnung (EU) Nr. 517/2014

Das Ziel der Verordnung ist in erster Linie die Erreichung der EU-Klimaziele zur Reduzierung der fluorierten Treibhausgase um 70% bis zum Jahr 2030, Basisjahr ist 1990.

 

Welche Anlagen sind im Datacenter-Umfeld betroffen?

Im Datacenter-Umfeld sind Kälte-/Klimaanlagen, elektrische Schaltanlagen und Löschanlagen betroffen, sofern sie fluorierte Treibhausgase enthalten. Die gebräuchlichsten Gase, die unter die Verordnung fallen sind bei:

  • Kaltwassersätzen & Klimaanlagen R134a, R407C und R410A
  • Kälteanlagen R404A und R507
  • Elektrischen Schaltanlagen SF6
  • Löschanlagen Trigon (HFKW23) und FM200 (HFKW227ea)

Jede Anlage mit fluorierten Treibhausgasen ist von der F-Gas-Verordnung betroffen! Aufgrund der teilweise noch unbefriedigenden Alternativen wird am Markt gerne ein anderes Bild vermittelt. Die im Datacenter-Bereich heute noch hauptsächlich eingesetzten Kältemittel R134a, R407C und R410A dürfen aufgrund ihres GWP (Global-Warming-Potential) – Wertes < 2500 momentan noch unbegrenzt eingesetzt und auch nachgefüllt werden. Die Instandhaltungskosten dieser Anlagen werden jedoch absehbar immer weiter steigen. Aus Gründen des Umweltschutzes sind Alternativen grundsätzlich zu bevorzugen, sofern möglich.

 

Wie und ab wann sind Ihre Anlagen von den Regelungen der F-Gas-Verordnung betroffen?

Grundsätzlich ist durch die bereits seit Januar 2016 geltende stufenweise Reduzierung der am Markt verfügbaren Mengen fluorierter Treibhausgase ein starker Kostenanstieg bei der Beschaffung zu verzeichnen. Aktuell stehen 37% weniger Menge dieser Gase am Markt zur Verfügung als im Referenz-Jahr 2015.

  • Leckagen sind an allen Anlagen zu vermeiden, die Gase müssen recycelt werden, für die Anlagen bzw. für die fluorierten Gase sind Dokumentationen zu führen, es gilt eine Kennzeichnungspflicht und die Fachfirmen sowie die Fachkräfte benötigen für Arbeiten an den Anlagen Zertifizierungen.
  • Obligatorische regelmäßige Dichtigkeitskontrollen ab 2016 bei Kälte-/Klimaanlagen ohne Leckage-Überwachungssystem bei
    • R134a ab 3,5 kg Füllmenge alle 12 Monate, ab 28 kg Füllung alle 6 Monate, ab 350 kg ist ein Leckage-Überwachungssystem Pflicht
    • R404A ab 1,3 kg Füllmenge alle 12 Monate, ab 10,2 kg Füllung alle 6 Monate, ab 130 kg ist ein Leckage-Überwachungssystem Pflicht
    • R407C ab 2,8 kg Füllmenge alle 12 Monate, ab 22,5 kg Füllung alle 6 Monate, ab 280 kg ist ein Leckage-Überwachungssystem Pflicht
    • R410A ab 2,4 kg Füllmenge alle 12 Monate, ab 19,2 kg Füllung alle 6 Monate, ab 240 kg ist ein Leckage-Überwachungssystem Pflicht
    • R507 ab 1,3 kg Füllmenge alle 12 Monate, ab 10 kg Füllung alle 6 Monate, ab 130 kg ist ein Leckage-Überwachungssystem Pflicht
  • Obligatorische regelmäßige Dichtigkeitskontrollen ab 2016 bei Kälte-/Klimaanlagen mit Leckage-Überwachungssystem bei
    • R134a ab 3,5 kg Füllmenge alle 24 Monate, ab 28 kg Füllung alle 12 Monate, ab 350 kg alle 6 Monate
    • R404A ab 1,3 kg Füllmenge alle 24 Monate, ab 10,2 kg Füllung alle 12 Monate, ab 130 kg alle 6 Monate
    • R407C ab 2,8 kg Füllmenge alle 24 Monate, ab 22,5 kg Füllung alle 12 Monate, ab 280 kg alle 6 Monate
    • R410A ab 2,4 kg Füllmenge alle 24 Monate, ab 19,2 kg Füllung alle 12 Monate, ab 240 kg alle 6 Monate
    • R507 ab 1,3 kg Füllmenge alle 24 Monate, ab 10 kg Füllung alle 12 Monate, ab 130 kg alle 6 Monate
  • Ab 01.01.2020 dürfen nur noch Anlagen bis 10,2 kg (R404A) bzw. 10 kg (R507) mit den Kältemitteln R404A und R507 nachgefüllt werden. Bis 01.01.2030 dürfen diese Anlagen noch mit recycelten Kältemitteln nachgefüllt werden. Größere Anlagen dürfen ab 01.01.2020 nicht mehr nachgefüllt werden. Betroffen sind hier in der Regel nur Kälteanlagen, da diese Kältemittel in Kaltwassersätzen und Klimaanlagen üblicherweise nicht zum Einsatz kommen.
  • Ab 01.01.2025 dürfen Mono-Splitanlagen nur noch mit Kältemitteln mit einen GWP <750 neu gebaut werden. Betroffen sind hier in der Regel nur kleine Serverräume sowie Technik- und Batterieräume von Rechenzentren. In der Praxis stehen für entsprechende Splitanlagen momentan keine Sicherheitskältemittel (nicht brennbar, nicht toxisch) zur Verfügung. Hier können dann als Alternative Kaltwasser-Systeme zum Einsatz kommen. Wer allerdings weder Wasser, noch brennbare/toxische Kältemittel einsetzen möchte hat aktuell keine Alternative.
  • Mobile Klimaanlagen, wie sie z.B. zur Notkühlung im kleinen Kälteleistungsbereich verwendet werden, dürfen ab 01.01.2020 nur noch eingesetzt werden, wenn sie ein Kältemittel mit GWP <150 verwenden. In der Praxis stehen hier momentan nur Anlagen mit brennbaren Kältemitteln zur Verfügung. Die hier verwendeten Füllmengen sind allerdings sehr gering, sodass das Betriebsrisiko in den meisten Fällen ebenfalls als gering einzustufen ist.
  • Kälte-/Klimaanlagen und Kaltwassererzeuger mit mehreren Verdichtern und Verdampfern (Verbundanlagen) mit einer Kälteleistung >40 kW dürfen ab 01.01.2022 nur noch gebaut werden, wenn sie ein Kältemittel mit GWP <150 verwenden. In der Praxis stehen auch hier momentan nur Anlagen mit brennbaren oder toxischen Kältemitteln zur Verfügung. Allerdings werden solche Anlagen sicherlich – wenn überhaupt – ohnehin nur außerhalb von Rechenzentren neu gebaut.
  • Der Betrieb elektrischer Schaltanlagen mit dem Schutzgas SF6 – im Bereich von Rechenzentren sind hier in der Regel Mittelspannungs-Schaltanlagen betroffen – unterliegt in Bezug auf die F-Gas-Verordnung in den meisten Fällen keinen besonderen Auflagen. Die Wartung / Instandhaltung / Entsorgung durch zertifiziertes Fachpersonal sollte selbstverständlich sein. Entspricht die Anlage den Vorgaben gemäß IEC 62271-1, so ist eine regelmäßige Dichtigkeitskontrolle nicht Pflicht.
  • Löschanlagen mit Trigon (HFKW23) und FM200 (HFKW227ea) dürfen gemäß Verordnung weiter betrieben und auch nachgefüllt werden. Die Erweiterung einer FM200 – Anlage ist bis 31.12.2019 erlaubt.

Fazit: Enthält Ihre Anlage ein fluoriertes Treibhausgas, so sind die Vorgaben der F-Gas-Verordnung (EU) Nr. 517/2014 zu beachten. Die Ausschau nach Alternativen ist zumindest in Erwägung zu ziehen. Im Folge-Artikel werden wir entsprechende Möglichkeiten vorstellen.

Dieser Beitrag ist als unverbindliche Information zur groben Einschätzung der Situation zu verstehen. Anlagen-spezifische Besonderheiten und individuelle Installationen sind zu betrachten. Fragen Sie daher bitte in jedem Fall den von Ihnen beauftragten Fachbetrieb, bzw. den Instandhaltungs-Dienstleister für Ihre Anlage, ob die Anlage betroffen ist und was genau zu tun bzw. was zu beachten ist.

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