Am 26. November 2018 haben Umweltbundesamt und eco e.V. gemeinsam nach Frankfurt zum Workshop Blauer Engel für Colocation-Betreiber  eingeladen. Der Blaue Engel für Rechenzentren ist weltweit das einzige Umweltzeichen, das den energie- und ressourceneffizienten Rechenzentrumsbetrieb auszeichnet. Inzwischen ist der Blaue Engel für Rechenzentren auch in der Umweltpolitik angekommen. Beispielsweise wünscht sich die Bundesregierung im Deutschen Ressourceneffizienzprogramm eine Selbstverpflichtung von Wirtschaft, Ländern und Kommunen, ihre Rechenzentren anhand der Kriterien des Blauen Engels zu betreiben. Von den Rechenzentren der Bundesverwaltung wird die Umsetzung der Kriterien erwartet.

Um künftig auch den Betreibern von Colocation-RZ zu  ermöglichen, den energie- und ressourceneffizienten Betrieb ihrer Infrastruktur nachzuweisen,  möchte das Umweltbundesamt  den Blauen Engel für Rechenzentren erweitern. Das Ziel dieses Workshops war auf der einen Seite zu prüfen, wie die Branche den Bedarf an einem Blauen Engel für Colocation-Rechenzentren einschätzt und auf der anderen Seite zu eruieren, welche spezifischen Anforderungen mit möglichst großer Umweltentlastung aus ihrer Sicht machbar sind. Insgesamt 19 Teilnehmende aus dem Colocation-Bereich, Berater und Planer von Rechenzentren sowie Anbieter von Infrastrukturtechnik haben sich die Zeit für einen intensiven Austausch und eine konstruktive Diskussion genommen. Im Folgenden sind die Eindrücke und Highlights zusammengefasst.

 

Fazit: “Ja” zum Blauen Engel für Colocation-Rechenzentren

Ich habe mich sehr über das große Interesse für den Blauen Engel gefreut. Das Feedback der Teilnehmenden war sehr positiv. Der Bedarf nach einer Zertifizierung von nachhaltig betriebenen Rechenzentren durch eine neutrale und anerkannte Stelle ist laut Aussagen der Teilnehmenden vorhanden. Tatsächlich sind es nicht nur die Anbieter selbst, sondern auch viele ihrer Kunden, welche explizit eine nachhaltig betriebene Rechenzentrumsinfrastruktur anfragen. Vor allem kleinere Anbieter sehen einen Wettbewerbsvorteil und Vertrauensbonus, den sie gegenüber ihrer Kunden durch eine Zertifizierung mit dem Blauen Engel erhalten, denn der Blaue Engel genießt in der Wirtschaft und bei Verbraucherinnen und Verbrauchern eine hohe Glaubwürdigkeit und Reputation.

Einzelne Betreiber gaben an, dass sie teilweise die Kriterien des Blauen Engels bereits jetzt erfüllen könnten. Bei größeren Anbietern und spezifischen Anforderungskriterien bedarf es noch genaueren Prüfungen. Hätte ich ein Stimmungsbarometer installiert, so würde der Zeiger auf „Ja“ für einen Blauen Engel für Colocation-Rechenzentren stehen.

 

Anforderungen für Colocation Rechenzentren

Um 13:00 Uhr startete der Workshop mit einer Begrüßung durch Marc Wilkens, Leiter der eco Kompetenzgruppe Datacenter Efficiency / Senior Consultant CARMAO GmbH und meinerseits. Im Anschluss habe ich den Blauen Engel für Rechenzentren im Allgemeinen vorgestellt.

 

 

Nach der Einführung und auf Grundlage der Anforderungen des Blauen Engels für Rechenzentren wurde die Zeit intensiv für Diskussionen genutzt. Zunächst einmal ging es um die Zielsetzung eines Blauen Engel für Colocation-Rechenzentren und einer möglichen Integration in das bestehende Umweltzeichen. Die Herausforderung des erweiterten Blauen Engel für Rechenzentren besteht darin, dass die Anforderungen von jedem Rechenzentrumstyp erfüllbar sein sollen. Ausgangspunkt der Diskussion waren die bereits bestehenden Kriterien des Blauen Engel, die im unmittelbaren Verantwortungsbereich von Colocation-Rechenzentren liegen. Diese Kriterien können sowohl vom Managed-Service-Betreiber als auch vom Colocation-Betreiber erfüllt werden. Die grundsätzliche Bereitschaft der Colocation-Betreiber diese Anforderungen zu erfüllen war Voraussetzung für die nachfolgenden Diskussionen.

Im nächsten Schnitt haben wir uns über mögliche Anforderungen an Colocation-Rechenzentren ausgetauscht, die spezifisch für die Colocation-Betreiber sind. Unser Anliegen hierbei ist, Anforderungen zu entwickeln, die von allen Colocation-Rechenzentren erfüllbar sind und deren Umsetzung dennoch eine Herausforderung darstellt. Einen Schwerpunkt in der Diskussion bildeten die Mindestanforderungen für diese Kriterien.

 

 

Erneuerbare Energien und F-Gas-Verordnung

Intensiv diskutiert wurden die Themen der Deckung des Strombedarf aus 100 % erneuerbaren Energien sowie der Verzicht auf halogenierte Kältemittel für Kälteanlagen, die nach dem 1. Januar 2013 in Betrieb genommen wurden.  In Sachen F-Gas-freie Klimatisierung in Rechenzentren bedarf es meiner Meinung nach noch intensiverer Aufklärungsarbeit,  auch was die mit den konventionellen Kältemitteln verbundenen Konsequenzen an Verfügbarkeit und Kosten angeht. Die F-Gas-Verordnung sieht vor, dass die verfügbare Menge an HFKW auf dem europäischen Markt bis zum Jahr 2030 stufenweise auf 21 Prozent der Ausgangsmenge (Durchschnittsmenge der Jahre 2009 bis 2012) abgesenkt wird.

 

Den Betreibern von Rechenzentren, die unverändert HFKW als Kältemittel einsetzen, müssen in diesem Zusammenhang bewusst werden, dass sie ein Versorgungsrisiko und somit auch ein Risiko der Verfügbarkeit des Rechenzentrums eingehen. Besonders gravierend ist es, wenn bei der Planung neuer Kälteanlagen weiterhin auf konventionelle Klimatisierung gesetzt wird. Auch bei der Planung von Kälteanlagen müssen unbedingt die Lebenszykluskosten berücksichtigt werden, denn die derzeitigen F-Gas-haltigen Kältemittel haben bereits jetzt eine exorbitante Preissteigerung erfahren: von bis zu 800 % bezogen auf das Jahr 2016!

Vergleichsweise schnell abgehandelt wurde das Thema Monitoring. Die zentrale Frage hierbei war, welche Messpunkte der Blaue Engel fordert. Hauptsächlich ging es aber um Verständnisfragen, wie z.B.: Ist es für einen Colocator sinnvoll, auch die PDI zu stellen?
 

Tempo machen bei der Umsetzung

Die Ergebnisse aus der Diskussion werden wir im Umweltbundesamt mit Forschungspartnern intensiv prüfen und für einzelne Fragestellungen die Marktsituation untersuchen, um die geeigneten Mindestanforderungen für die Vergabekriterien zu finden. Wenn wir Mindestanforderungen stellen, z.B. einen einzuhaltenden Grenzwert, dann müssen wir natürlich sicherstellen, dass dies für Colocation-Rechenzentren auch realistisch umsetzbar ist. Auf der anderen Seite sollen die Mindestanforderungen auch ambitioniert sein, denn wir wollen die Umweltbelastung durch Rechenzentren spürbar reduzieren. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass der Blaue Engel kein Standard ist, sondern eine Auszeichnung darstellt.

Im Prozess der Erarbeitung von Vergabekriterien findet eine Anhörung statt, an der grundsätzlich die verschiedenen gesellschaftlichen Interessensgruppen teilnehmen können. Die Teilnehmer des Workshops sind herzlich eingeladen – voraussichtlich im Spätsommer 2019 – daran teilzunehmen und so den Prozess der Entwicklung der Vergabegrundlage weiter aktiv zu unterstützen. Meine Hoffnung ist, dass wir im nächsten Jahr mit der Entwicklung der Vergabekriterien beginnen können. Mein Ziel ist es, 2020 eine verabschiedete Vergabegrundlage für Rechenzentren zu veröffentlichen, die es auch Colocation-Rechenzentren ermöglicht, den Blauen Engel zu erwerben.

 

Appell an Verbände

Ich würde mich freuen, wenn Verbände, wie z.B. der eco, mit uns an einem Strang ziehen und sich zu mehr Energieeffizienz bekennen würden; ähnlich wie die Bundesverwaltung, die 2007 das Ziel ausgegeben hat, 2013 rd. 40 % des durch IT bedingten Stromverbrauchs zu reduzieren. Dies wurde erfolgreich umgesetzt. In diesem Workshop wurde mir  signalisiert: Man ist auf jeden Fall an Workshops zu diesen Themen interessiert, um sich selbst und auch andere entsprechend zu sensibilisieren.

Ich freue mich, dass bereits ein weiterer Workshop zu unseren Themen geplant ist Workshops Roundtable: “Energieeffizienz in Rechenzentren”am 13.12.2018 von 13:00 bis 16:00 Uhr in Frankfurt im DE-CIX. Zur Anmeldung folgen Sie bitte diesem Link: https://www.eco.de/event/roundtable-energieeffizienz-in-rechenzentren/

 

Über die Autorin:

Marina Köhn ist Informatikerin und seit 1992 im Umwelt­bundesamt tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte bilden umwelt­bezogene Systemvergleiche, insbesondere im Aktionsfeld Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). Aus dieser Arbeit heraus sind Forschungsprojekte entstanden, die die Potenziale der Ressourceninanspruchnahmen in der  IKT ermitteln und Handlungsalternativen zu ihrer Aktivierung entwerfen. Mit den Fragen rund um das Thema Green-IT beschäftigt Sie sich seit einigen Jahren. Im Rahmen dieser Tätigkeit ist der Blaue Engel für den energieeffizienten Rechenzentrumsbetrieb entstanden.

 

Für mehr Informationen

Marina Köhn ist Mitarbeiterin des Umweltbundesamtes. Sie verantwortet den Bereich Green-IT und ist hier speziell für das Umweltzeichen Blauer Engel für Rechenzentren zuständig. Tel.: (0340) 2103 5422
E-Mail:marina.koehn@uba.de. Vernetzen Sie sich mit Frau Köhn, sie ist auf vielen Veranstaltungen vor Ort und stellt dort z.B. die Ergebnisse des KPI für DCE vor.

 

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